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ICD-10 in der Schweiz: Diagnosecodierung für die Praxis

Christoph Kuling, Gründer & IT-Berater
Veröffentlicht: 25. Juni 2026
Aktualisiert: 25. Juni 2026

ICD-10 in der Schweiz: was die Diagnose-Klassifikation für Arztpraxen bedeutet, wo sie Pflicht ist und wie der Wechsel zu TARDOC und ICD-11 abläuft.

Auf einen Blick (TL;DR): ICD-10 ist die internationale Klassifikation der WHO, mit der Diagnosen verschlüsselt werden. In der Schweiz ist die Variante ICD-10-GM im Spital für die Diagnosecodierung verbindlich und bildet die Grundlage für SwissDRG und die Medizinstatistik des BFS. Im ambulanten Praxisbereich wurde bisher meist der Tessiner Code verwendet, mit TARDOC und den ambulanten Pauschalen (in Kraft seit 1. Januar 2025) hält ICD-10 nun schrittweise Einzug. Welcher Kode zu welcher Diagnose passt, entscheidet die Ärztin, die technische Erfassung und Übertragung übernimmt die Praxissoftware.

> Hinweis: avenios ist Ihr IT-Partner, keine Tarif- oder Codierberatung. Dieser Beitrag ordnet ICD-10 für Praxen ein und zeigt den IT- und Software-Bezug. Die verbindlichen Codierregeln stehen in den Tarif- und Codierungsunterlagen, die fachliche Codierung bleibt Sache der Praxis.

Was ist ICD-10?

ICD-10 ist die «Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme» in der 10. Revision, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie übersetzt Diagnosen in einheitliche Codes, damit Krankheiten weltweit vergleichbar erfasst, ausgewertet und, wie infodrog festhält, «für das Abrechnen von Krankheitskosten durch die Krankenkassen» genutzt werden können (infodrog). In der Schweiz und in Deutschland kommt die «German Modification» (ICD-10-GM) zum Einsatz, eine an den deutschsprachigen Raum angepasste Fassung.

Diagnose-Codes in der Schweiz im Überblick.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei verwandten Begriffen: CHOP (Schweizerische Operationsklassifikation) verschlüsselt im Spital die Behandlungen und Eingriffe, während ICD-10 die Diagnosen abbildet. Und der Tessiner Code ist das ältere, gröbere Diagnoseschema, das im ambulanten Bereich bisher auf der Rechnung an die Krankenkasse stand.

Wo gilt ICD-10 in der Schweiz?

Vor allem im stationären Bereich, und dort verbindlich. Spitäler und Kliniken erfassen jeden stationären Aufenthalt mit ICD-10-GM für die Diagnosen und CHOP für die Behandlungen. Das BFS ist für diese Medizinstatistik zuständig, und die Codierung ist die Grundlage für die Fallpauschalen-Systeme SwissDRG, TARPSY und ST Reha. Ohne saubere Codierung keine korrekte stationäre Abrechnung.

Im ambulanten Praxisbereich war ICD-10 lange nicht Pflicht. Dort genügte für die Rechnung an die Krankenkasse meist der Tessiner Code. Genau das ändert sich gerade, getrieben vom neuen ambulanten Tarifsystem. Mehr zum Tarifwechsel im Ratgeber TARDOC in der Arztpraxis.

Brauchen Arztpraxen jetzt ICD-10?

Teilweise, und zunehmend. Seit dem 1. Januar 2025 gelten TARDOC und die ambulanten Pauschalen. Die FMH arbeitet im Projekt SCD an der Ablösung des Tessiner Codes, gestützt auf ICD-10 und ICPC-2, mit fachspezifischen Diagnose-Sets, die laut FMH rund 80 bis 90 Prozent des jeweiligen Behandlungsspektrums abdecken (FMH Projekt SCD).

Im Übergang gilt eine differenzierte Regel. Die offizielle FAQ zum ambulanten Tarifsystem hält fest, dass ICD-10-Diagnosen nur bei Sitzungen mit sogenannten Triggerpositionen (im Anwendungsbereich der ambulanten Pauschalen) zwingend erfasst werden müssen. Und weiter: «Für alle anderen Sitzungen können Diagnosen wahlweise nach Tessinercode oder ICD-10 erfasst werden» (OAAT-FAQ). Praxen kommen also je nach Leistung schon heute mit ICD-10 in Berührung, die Richtung ist klar.

Wie ist ein ICD-10-Kode aufgebaut?

Systematisch und hierarchisch. Ein ICD-10-GM-Kode ist alphanumerisch und maximal fünfstellig: Er beginnt mit einem Buchstaben für das Kapitel, dem Ziffern für die Diagnosegruppe folgen, eine Spezifizierung nach einem Punkt schliesst den Kode ab. Die Kapitel sind nach Krankheitsgruppen und Organsystemen geordnet.

KapitelBereich (Beispiel)
A–BInfektionen und parasitäre Krankheiten
C–DTumore (Neubildungen) und Blutkrankheiten
EStoffwechsel und Hormone
FPsychische Störungen
IHerz-Kreislauf-System
JAtmungssystem
MMuskel-Skelett-System
RSymptome und unklare Befunde
S–TVerletzungen und Vergiftungen
ZFaktoren zur Inanspruchnahme, z.B. Vorsorge

Diese Struktur muss niemand auswendig kennen. In der Praxis sucht man den passenden Kode über einen Katalog, und genau das ist die Aufgabe der Software. Die Logik (Buchstabe, Gruppe, Spezifizierung) stammt aus der amtlichen Systematik der ICD-10-GM (BfArM).

Was bedeutet ICD-10 für die Praxissoftware?

Hier wird es zum IT-Thema. Eine moderne Praxissoftware bringt den ICD-10-Katalog mit, lässt den passenden Kode suchen und überträgt ihn automatisch auf die Abrechnung, ohne dass jemand fünfstellige Codes von Hand tippt.

Wie der ICD-10-Kode Diagnose, Abrechnung und Statistik verbindet.

Drei Punkte sind dabei für die Praxis entscheidend:

  • Aktueller Katalog. Die ICD-10-GM wird jährlich aktualisiert. Die Software muss die jeweils gültige Version führen, damit codierte Diagnosen korrekt durchlaufen. Das ist ein laufender Update-Punkt, kein einmaliges Setup.
  • Saubere Übertragung. Der Kode muss verlässlich von der Erfassung in die Rechnung und, im Spitalkontext, in die Statistik wandern. Fehler hier führen zu Rückweisungen durch die Krankenkasse.
  • Zukunftsfähigkeit. Mit dem SCD-Projekt und TARDOC steigt die Bedeutung von ICD-10 im ambulanten Bereich. Ob eine Software die neuen Diagnose-Sets und Tarifanforderungen sauber abbildet, ist ein echtes Auswahlkriterium, mehr im Praxissoftware-Vergleich und in der Anbieterübersicht.
  • Welche Lösung diese Anforderungen erfüllt, prüfen Sie am besten konkret an Ihrer Fachrichtung. Die technische Einrichtung und die Schnittstellen übernimmt Ihr IT-Partner gemeinsam mit dem Softwareanbieter.

    Kommt jetzt ICD-11?

    Ja, aber nicht sofort. Die WHO hat ICD-11 verabschiedet, weltweit ist sie seit dem 1. Januar 2022 in Kraft. Für die Schweiz läuft eine Übergangsphase, bis voraussichtlich um 2027 wird weiterhin die ICD-10-GM genutzt, während BFS und Partner an der deutschen Übersetzung der ICD-11 arbeiten. Ein verbindlicher Umstellungstermin steht noch nicht fest.

    Für Praxen heisst das: ICD-10 bleibt auf absehbare Zeit der Standard, ICD-11 ist ein Thema für die Zukunft. Wer heute eine Praxissoftware wählt, sollte aber darauf achten, dass der Anbieter Klassifikations-Updates zuverlässig nachführt, damit der Wechsel später ohne Bruch gelingt.

    Was darf auf die Rechnung? ICD-10 und Datenschutz

    Eine Diagnose ist ein besonders schützenswertes Gesundheitsdatum. Wenn ein Code auf der Rechnung an die Krankenkasse steht, verlässt diese Information die Praxis. Das revidierte Datenschutzgesetz verlangt deshalb, nur so viele Daten zu übermitteln, wie für die Abrechnung nötig sind, und die Übertragung angemessen zu schützen. Welche Massnahmen das konkret bedeutet, ordnet der Ratgeber Patientendaten sicher verwalten ein, der allgemeine Rahmen steht im nDSG-Massnahmenkatalog.

    Auch hier gilt: Die Praxissoftware und der IT-Partner sorgen dafür, dass die Übermittlung verschlüsselt und die Datensparsamkeit technisch unterstützt ist. Mittelfristig fliessen codierte Befunde auch ins elektronische Patientendossier, was die saubere Codierung zusätzlich aufwertet.

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    Das Wichtigste in Kürze

  • ICD-10 verschlüsselt Diagnosen. Die WHO-Klassifikation wird in der Schweiz als ICD-10-GM eingesetzt, parallel codiert CHOP die Behandlungen im Spital.
  • Stationär Pflicht, ambulant im Wandel. Im Spital ist ICD-10-GM für die BFS-Medizinstatistik und SwissDRG verbindlich, ambulant löst ICD-10 mit TARDOC schrittweise den Tessiner Code ab.
  • Seit 2025 relevant für Praxen. Mit TARDOC und den ambulanten Pauschalen müssen ICD-10-Diagnosen bei bestimmten Sitzungen erfasst werden, das Projekt SCD treibt die Umstellung.
  • Die Software macht die Arbeit. Ein aktueller ICD-10-Katalog, die saubere Übertragung in die Abrechnung und die Update-Fähigkeit sind echte Kriterien bei der Praxissoftware.
  • ICD-11 kommt später. Weltweit seit 2022 in Kraft, in der Schweiz voraussichtlich um 2027, bis dahin bleibt ICD-10-GM der Standard.
  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    ICD-10 steht für die «Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme» in der 10. Revision, herausgegeben von der WHO. Sie ordnet jeder Diagnose einen einheitlichen Code zu. In der Schweiz wird die German Modification (ICD-10-GM) verwendet. Sie macht Krankheiten vergleichbar und ist die Basis für Statistik und Abrechnung.

    Zunehmend ja. Im Spital ist ICD-10-GM verbindlich. Ambulant galt bisher meist der Tessiner Code, doch mit TARDOC und den ambulanten Pauschalen seit 2025 müssen ICD-10-Diagnosen bei Sitzungen mit Triggerpositionen erfasst werden. Für andere Sitzungen ist die Erfassung nach Tessiner Code oder ICD-10 derzeit noch wahlweise möglich.

    Der Tessiner Code ist ein älteres, grobes Diagnoseschema, das im ambulanten Bereich für die Rechnung an die Krankenkasse genutzt wurde. ICD-10 ist die wesentlich feinere internationale Klassifikation. Weil der Tessiner Code die tatsächlich behandelten Krankheitsbilder nur ungenau abbildet, wird er im Projekt SCD schrittweise durch ICD-10 abgelöst.

    Die fachliche Entscheidung, welcher Code zu welcher Diagnose passt, trifft die Ärztin oder der Arzt. Die technische Erfassung übernimmt die Praxissoftware: Sie stellt den ICD-10-Katalog bereit, lässt den Code suchen und überträgt ihn in die Abrechnung. Der IT-Partner sorgt dafür, dass Katalog, Updates und Schnittstellen korrekt eingerichtet sind.

    Direkte Lizenzkosten für den ICD-10-Katalog fallen in der Regel nicht separat an, er ist Teil der Praxissoftware. Relevant ist vielmehr, dass die Software die jährlichen Klassifikations-Updates und die TARDOC-Anforderungen zuverlässig nachführt. Aufwand entsteht eher bei Schulung und sauberer Einrichtung, nicht durch die Klassifikation selbst.

    Die ICD-11 der WHO ist weltweit seit dem 1. Januar 2022 in Kraft. In der Schweiz läuft eine Übergangsphase, bis voraussichtlich um 2027 wird weiterhin ICD-10-GM verwendet. Ein verbindlicher Umstellungstermin ist noch nicht festgelegt. Für Praxen bleibt ICD-10 damit vorerst der massgebende Standard.

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