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EPD — Elektronisches Patientendossier: Was Arztpraxen in der Schweiz wissen müssen

Christoph Kuling, Gründer & IT-Berater
Veröffentlicht: 18. März 2026
Aktualisiert: 18. März 2026

Das Elektronische Patientendossier (EPD) kommt — auch für Arztpraxen. Was bedeutet das für Ihre Praxis? Alles zu Anbindung, Kosten, Zeitplan und technischen Voraussetzungen verständlich erklärt.

Auf einen Blick (TL;DR): Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist ein zentrales Element der Schweizer eHealth-Strategie. Stationäre Einrichtungen sind bereits anschlusspflichtig, für ambulante Leistungserbringer (Arztpraxen) wird die Pflicht voraussichtlich in den nächsten Jahren kommen. Auch ohne Pflicht lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung: EPD-fähige Praxissoftware, HIN-Anbindung und ein aktuelles Identitätsmanagement sind die Grundvoraussetzungen. avenios unterstützt Arztpraxen bei der technischen EPD-Vorbereitung.

Was ist das Elektronische Patientendossier (EPD)?

Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist eine digitale Sammlung persönlicher Gesundheitsinformationen. Patientinnen und Patienten können darin wichtige Dokumente wie Austrittsberichte, Laborergebnisse, Medikationspläne, Impfausweise und Röntgenbilder speichern und den Zugriff für ihre Behandelnden steuern.

Das EPD ist kein zentrales Krankenaktensystem — es ergänzt die bestehende Dokumentation in der Praxissoftware. Die Daten gehören der Patientin oder dem Patienten, die volle Kontrolle über den Zugriff liegt bei ihnen.

Die rechtliche Grundlage bildet das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG), das 2017 in Kraft getreten ist. Das Gesetz wird derzeit revidiert, um die Verbreitung des EPD zu beschleunigen.

Aktueller Stand und Zeitplan

Das EPD hat in der Schweiz einen holprigen Start hinter sich. Hier der aktuelle Stand:

Was bereits gilt:

  • Spitäler, Reha-Kliniken und Psychiatrien sind seit April 2020 (bzw. April 2022 für nach 2021 zugelassene) anschlusspflichtig
  • Pflegeheime und Geburtshäuser sind seit 2022 anschlusspflichtig
  • Jede Person in der Schweiz kann freiwillig ein EPD eröffnen
  • Was kommt (EPDG-Revision):

  • Die EPDG-Revision wurde vom Bundesrat 2023 in die Vernehmlassung geschickt und ist aktuell im parlamentarischen Prozess
  • Geplant: Automatische EPD-Eröffnung für alle Einwohnerinnen und Einwohner (Opt-out statt Opt-in)
  • Geplant: Anschlusspflicht für ambulante Leistungserbringer — also auch für Arztpraxen
  • Voraussichtlicher Zeitrahmen für die Praxis-Anschlusspflicht: 2027–2029 (abhängig vom parlamentarischen Prozess und den Übergangsfristen)
  • Finanzierung: Der Bund wird die Betriebskosten der Stammgemeinschaften übernehmen — die Anbindungskosten für die Praxis bleiben beim Leistungserbringer
  • Wie funktioniert das EPD technisch?

    Das EPD basiert auf einer dezentralen Architektur:

  • Stammgemeinschaften betreiben die EPD-Infrastruktur. In der Deutschschweiz sind die wichtigsten: eHealth Aargau, AD Swiss, Abilis und eSanita/XAD.
  • Dokumenten-Upload und -Abruf erfolgt über standardisierte Schnittstellen (IHE-Profile, insbesondere XDS.b und XCA).
  • Die Authentifizierung erfolgt über eine zertifizierte elektronische Identität (eID) — aktuell über HIN oder andere zertifizierte Identity Provider.
  • Zugriffssteuerung liegt bei der Patientin oder dem Patienten: Sie bestimmen, welche Gesundheitsfachperson welche Dokumente sehen darf.
  • Was muss Ihre Arztpraxis technisch vorbereiten?

    Auch wenn die Anschlusspflicht für Arztpraxen noch nicht gilt, sollten Sie sich jetzt vorbereiten. Die technischen Voraussetzungen:

    EPD-fähige Praxissoftware?

    Die Praxissoftware ist das zentrale Bindeglied zwischen Ihrer Praxis und dem EPD. Sie muss in der Lage sein, Dokumente im richtigen Format ins EPD hochzuladen und Dokumente aus dem EPD abzurufen.

  • Tomedo: EPD-Integration auf der Roadmap, durch die moderne Architektur technisch gut vorbereitet
  • Vitodata: EPD-Schnittstelle in Entwicklung, enge Zusammenarbeit mit Stammgemeinschaften
  • Curamed: EPD-Readiness angekündigt, konkreter Zeitplan noch offen
  • Elexis: EPD-Plugin in der Community in Arbeit, durch offene Architektur flexibel anpassbar
  • E-PAT: Eignung für die EPD-Anbindung direkt mit der VITABYTE AG zu evaluieren
  • Empfehlung: Klären Sie bei Ihrem Praxissoftware-Anbieter den konkreten EPD-Fahrplan und lassen Sie sich den Stand der Entwicklung zeigen.

    HIN-Anbindung — die Basis?

    Die HIN-Anbindung (Health Info Net) ist bereits heute Standard in Schweizer Arztpraxen und wird für das EPD noch wichtiger:

  • HIN fungiert als zertifizierter Identity Provider für das EPD — die Authentifizierung am EPD erfolgt über die HIN-Identität
  • HIN ermöglicht den sicheren E-Mail-Verkehr zwischen Leistungserbringern
  • Die meisten Stammgemeinschaften setzen HIN als primären Zugangsweg zum EPD ein
  • Falls Ihre Praxis noch keine HIN-Anbindung hat: Das ist der erste Schritt — unabhängig vom EPD.

    Netzwerk und Infrastruktur?

  • Stabile Internetanbindung — der EPD-Zugriff erfolgt online, eine redundante Verbindung (z.B. Glasfaser + 5G-Failover) ist empfohlen
  • Aktuelle Browser und Betriebssysteme — die EPD-Portale erfordern moderne Browser mit TLS 1.2+
  • Sichere Authentifizierung — MFA (Multi-Faktor-Authentifizierung) ist Pflicht für den EPD-Zugriff
  • Kosten der EPD-Anbindung für Arztpraxen

    Die Kosten für die EPD-Anbindung setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Mitgliedschaft bei einer Stammgemeinschaft: CHF 200–500/Jahr (wird mit der EPDG-Revision voraussichtlich vom Bund finanziert)
  • Praxissoftware-Update für EPD-Schnittstelle: Variiert je nach Anbieter — bei manchen im Wartungsvertrag enthalten, bei anderen als kostenpflichtiges Modul
  • HIN-Anbindung: CHF 200–400/Jahr (falls noch nicht vorhanden)
  • Technische Einrichtung: CHF 500–2'000 einmalig (je nach bestehendem Setup)
  • Schulung: CHF 500–1'000 für das Praxisteam
  • Gesamtkosten Erstanbindung: CHF 1'500–4'000 für eine typische Einzelpraxis, CHF 3'000–8'000 für eine Gruppenpraxis.

    Die EPD-Anbindungskosten amortisieren sich durch effizientere Kommunikation, weniger Doppeluntersuchungen und schnelleren Informationsaustausch mit Spitälern und Zuweisern. Berechnen Sie Ihre IT-Kosten individuell.

    Chancen des EPD für Arztpraxen

    Das EPD wird oft als Pflicht wahrgenommen — dabei bietet es handfeste Vorteile:

  • Schnellerer Informationsaustausch: Spitalberichte, Laborergebnisse und Bilder sofort verfügbar statt per Post oder Fax
  • Weniger Doppeluntersuchungen: Wenn aktuelle Befunde im EPD vorliegen, können unnötige Wiederholungen vermieden werden
  • Bessere Notfallversorgung: Im Notfall haben behandelnde Ärzte Zugriff auf Medikationspläne, Allergien und aktuelle Diagnosen
  • Patientenbindung: Praxen, die das EPD aktiv nutzen, positionieren sich als modern und patientenorientiert
  • Zuweiser-Netzwerk: Die elektronische Kommunikation über das EPD stärkt die Vernetzung mit Spitälern und Fachärzten
  • Herausforderungen und Bedenken

    Wir verschweigen nicht, dass das EPD auch Herausforderungen mit sich bringt:

  • Doppelspurigkeit: Solange nicht alle Praxen angeschlossen sind, müssen Dokumente parallel in der Praxissoftware und im EPD gepflegt werden
  • Patientenakzeptanz: Bisher hat nur ein Bruchteil der Bevölkerung ein EPD eröffnet — das wird sich mit der Opt-out-Lösung ändern
  • Zeitaufwand: Das Hochladen von Dokumenten ins EPD kostet zunächst zusätzliche Zeit im Praxisalltag — Praxissoftware-Integration kann dies aber automatisieren
  • Zugriffssteuerung: Patienten können den Zugriff jederzeit einschränken oder entziehen — das muss im Praxisablauf berücksichtigt werden
  • Schritt-für-Schritt: So bereiten Sie Ihre Praxis vor

    Auch ohne akute Anschlusspflicht empfehlen wir folgendes Vorgehen:

  • 1.HIN-Anbindung sicherstellen — falls noch nicht vorhanden, ist das der erste und wichtigste Schritt
  • 2.Praxissoftware-Status klären — fragen Sie Ihren Anbieter nach dem EPD-Fahrplan und der geplanten Schnittstelle
  • 3.Stammgemeinschaft wählen — informieren Sie sich bei Ihrer kantonalen Stammgemeinschaft über den Beitrittsprozess
  • 4.IT-Infrastruktur prüfen — stabile Internetanbindung, aktuelle Betriebssysteme und Browser, MFA-fähige Authentifizierung
  • 5.Team informieren — sensibilisieren Sie Ihr Praxisteam frühzeitig für das Thema EPD
  • 6.Budget einplanen — reservieren Sie CHF 2'000–5'000 für die erstmalige EPD-Anbindung
  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Nein, aktuell besteht keine Anschlusspflicht für ambulante Leistungserbringer. Die Pflicht wird mit der EPDG-Revision kommen, voraussichtlich 2027–2029. Allerdings kann ein freiwilliger Anschluss schon jetzt sinnvoll sein — insbesondere wenn Sie viele Zuweisungen von und an Spitäler haben, die bereits angeschlossen sind.

    Die Wahl hängt von Ihrem Kanton ab. In der Deutschschweiz sind die wichtigsten Stammgemeinschaften eHealth Aargau, AD Swiss, Abilis und eSanita/XAD. Erkundigen Sie sich bei Ihrer kantonalen Gesundheitsdirektion, welche Stammgemeinschaft für Ihren Standort empfohlen wird. Ein Wechsel ist später möglich, aber aufwendig.

    Nein. Das EPD ist kein Ersatz für die Praxissoftware. Es ist eine zusätzliche Plattform für den Austausch ausgewählter Gesundheitsdokumente zwischen Patienten und Leistungserbringern. Ihre Praxissoftware bleibt das zentrale Arbeitsinstrument für Dokumentation, Abrechnung und Praxismanagement. Die EPD-Anbindung erfolgt als Schnittstelle aus der Praxissoftware heraus.

    Patienten haben jederzeit das Recht, den Zugriff auf ihr EPD einzuschränken oder einzelne Dokumente zu sperren. In diesem Fall können Sie als behandelnde Ärztin oder behandelnder Arzt die gesperrten Dokumente nicht einsehen. Im Notfall gibt es ein Notfallzugriffsrecht, das den Zugriff auf bestimmte Dokumente auch ohne aktive Zustimmung ermöglicht.

    Fazit: Das EPD als Chance nutzen — jetzt vorbereiten

    Das EPD wird kommen — für ambulante Arztpraxen ist es nur eine Frage der Zeit. Statt das Thema aufzuschieben, empfehlen wir eine proaktive Vorbereitung: HIN-Anbindung sicherstellen, Praxissoftware-Status klären und die IT-Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen.

    Praxen, die frühzeitig auf das EPD setzen, profitieren von effizienterer Kommunikation, besserer Vernetzung mit Spitälern und einem modernen Image gegenüber ihren Patientinnen und Patienten.

    avenios unterstützt Arztpraxen in der Deutschschweiz bei der technischen EPD-Vorbereitung — von der HIN-Anbindung über die Infrastruktur-Prüfung bis zur Integration in den Praxisablauf. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung oder berechnen Sie Ihre IT-Kosten mit unserem Praxis-Kostenrechner.

    Haben Sie Fragen zu diesem Thema?

    Wir beraten Sie gerne unverbindlich zu Ihren individuellen Anforderungen.

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    Christoph Kuling

    Gründer & IT-Berater, avenios GmbH

    Über 10 Jahre Erfahrung in IT-Infrastruktur und Managed Services für medizinische Einrichtungen in der Deutschschweiz.

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