EPD — Elektronisches Patientendossier: Was Arztpraxen in der Schweiz wissen müssen
Das Elektronische Patientendossier (EPD) kommt — auch für Arztpraxen. Was bedeutet das für Ihre Praxis? Alles zu Anbindung, Kosten, Zeitplan und technischen Voraussetzungen verständlich erklärt.
Auf einen Blick (TL;DR): Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist ein zentrales Element der Schweizer eHealth-Strategie. Stationäre Einrichtungen sind bereits anschlusspflichtig, für ambulante Leistungserbringer (Arztpraxen) wird die Pflicht voraussichtlich in den nächsten Jahren kommen. Auch ohne Pflicht lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung: EPD-fähige Praxissoftware, HIN-Anbindung und ein aktuelles Identitätsmanagement sind die Grundvoraussetzungen. avenios unterstützt Arztpraxen bei der technischen EPD-Vorbereitung.
Was ist das Elektronische Patientendossier (EPD)?
Das Elektronische Patientendossier (EPD) ist eine digitale Sammlung persönlicher Gesundheitsinformationen. Patientinnen und Patienten können darin wichtige Dokumente wie Austrittsberichte, Laborergebnisse, Medikationspläne, Impfausweise und Röntgenbilder speichern und den Zugriff für ihre Behandelnden steuern.
Das EPD ist kein zentrales Krankenaktensystem — es ergänzt die bestehende Dokumentation in der Praxissoftware. Die Daten gehören der Patientin oder dem Patienten, die volle Kontrolle über den Zugriff liegt bei ihnen.
Die rechtliche Grundlage bildet das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG), das 2017 in Kraft getreten ist. Das Gesetz wird derzeit revidiert, um die Verbreitung des EPD zu beschleunigen.
Aktueller Stand und Zeitplan
Das EPD hat in der Schweiz einen holprigen Start hinter sich. Hier der aktuelle Stand:
Was bereits gilt:
Was kommt (EPDG-Revision):
Wie funktioniert das EPD technisch?
Das EPD basiert auf einer dezentralen Architektur:
Was muss Ihre Arztpraxis technisch vorbereiten?
Auch wenn die Anschlusspflicht für Arztpraxen noch nicht gilt, sollten Sie sich jetzt vorbereiten. Die technischen Voraussetzungen:
EPD-fähige Praxissoftware?
Die Praxissoftware ist das zentrale Bindeglied zwischen Ihrer Praxis und dem EPD. Sie muss in der Lage sein, Dokumente im richtigen Format ins EPD hochzuladen und Dokumente aus dem EPD abzurufen.
Empfehlung: Klären Sie bei Ihrem Praxissoftware-Anbieter den konkreten EPD-Fahrplan und lassen Sie sich den Stand der Entwicklung zeigen.
HIN-Anbindung — die Basis?
Die HIN-Anbindung (Health Info Net) ist bereits heute Standard in Schweizer Arztpraxen und wird für das EPD noch wichtiger:
Falls Ihre Praxis noch keine HIN-Anbindung hat: Das ist der erste Schritt — unabhängig vom EPD.
Netzwerk und Infrastruktur?
Kosten der EPD-Anbindung für Arztpraxen
Die Kosten für die EPD-Anbindung setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:
Gesamtkosten Erstanbindung: CHF 1'500–4'000 für eine typische Einzelpraxis, CHF 3'000–8'000 für eine Gruppenpraxis.
Die EPD-Anbindungskosten amortisieren sich durch effizientere Kommunikation, weniger Doppeluntersuchungen und schnelleren Informationsaustausch mit Spitälern und Zuweisern. Berechnen Sie Ihre IT-Kosten individuell.
Chancen des EPD für Arztpraxen
Das EPD wird oft als Pflicht wahrgenommen — dabei bietet es handfeste Vorteile:
Herausforderungen und Bedenken
Wir verschweigen nicht, dass das EPD auch Herausforderungen mit sich bringt:
Schritt-für-Schritt: So bereiten Sie Ihre Praxis vor
Auch ohne akute Anschlusspflicht empfehlen wir folgendes Vorgehen:
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Nein, aktuell besteht keine Anschlusspflicht für ambulante Leistungserbringer. Die Pflicht wird mit der EPDG-Revision kommen, voraussichtlich 2027–2029. Allerdings kann ein freiwilliger Anschluss schon jetzt sinnvoll sein — insbesondere wenn Sie viele Zuweisungen von und an Spitäler haben, die bereits angeschlossen sind.
Die Wahl hängt von Ihrem Kanton ab. In der Deutschschweiz sind die wichtigsten Stammgemeinschaften eHealth Aargau, AD Swiss, Abilis und eSanita/XAD. Erkundigen Sie sich bei Ihrer kantonalen Gesundheitsdirektion, welche Stammgemeinschaft für Ihren Standort empfohlen wird. Ein Wechsel ist später möglich, aber aufwendig.
Nein. Das EPD ist kein Ersatz für die Praxissoftware. Es ist eine zusätzliche Plattform für den Austausch ausgewählter Gesundheitsdokumente zwischen Patienten und Leistungserbringern. Ihre Praxissoftware bleibt das zentrale Arbeitsinstrument für Dokumentation, Abrechnung und Praxismanagement. Die EPD-Anbindung erfolgt als Schnittstelle aus der Praxissoftware heraus.
Patienten haben jederzeit das Recht, den Zugriff auf ihr EPD einzuschränken oder einzelne Dokumente zu sperren. In diesem Fall können Sie als behandelnde Ärztin oder behandelnder Arzt die gesperrten Dokumente nicht einsehen. Im Notfall gibt es ein Notfallzugriffsrecht, das den Zugriff auf bestimmte Dokumente auch ohne aktive Zustimmung ermöglicht.
Fazit: Das EPD als Chance nutzen — jetzt vorbereiten
Das EPD wird kommen — für ambulante Arztpraxen ist es nur eine Frage der Zeit. Statt das Thema aufzuschieben, empfehlen wir eine proaktive Vorbereitung: HIN-Anbindung sicherstellen, Praxissoftware-Status klären und die IT-Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen.
Praxen, die frühzeitig auf das EPD setzen, profitieren von effizienterer Kommunikation, besserer Vernetzung mit Spitälern und einem modernen Image gegenüber ihren Patientinnen und Patienten.
avenios unterstützt Arztpraxen in der Deutschschweiz bei der technischen EPD-Vorbereitung — von der HIN-Anbindung über die Infrastruktur-Prüfung bis zur Integration in den Praxisablauf. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung oder berechnen Sie Ihre IT-Kosten mit unserem Praxis-Kostenrechner.
Haben Sie Fragen zu diesem Thema?
Wir beraten Sie gerne unverbindlich zu Ihren individuellen Anforderungen.
Kontakt aufnehmenChristoph Kuling
Gründer & IT-Berater, avenios GmbH
Über 10 Jahre Erfahrung in IT-Infrastruktur und Managed Services für medizinische Einrichtungen in der Deutschschweiz.
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