Telefonanlage für Arztpraxen in der Schweiz: VoIP, 3CX und Cloud-PBX 2026
Telefonanlage Arztpraxis Schweiz: VoIP, 3CX und Cloud-PBX verständlich erklärt. SIP-Trunk-Anbieter, DECT-Telefone, Kosten und was Arztpraxen bei der Einrichtung beachten müssen.
Auf einen Blick (TL;DR): ISDN ist seit 2017 abgeschaltet — alle Schweizer Arztpraxen telefonieren via VoIP. Die gängigsten Systeme sind 3CX (Cloud oder On-Premise), Microsoft Teams Direct Routing und einfache Cloud-PBX-Lösungen. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede, Kosten und worauf bei der Einrichtung zu achten ist.
ISDN ist Geschichte — VoIP ist Standard
Swisscom hat das ISDN-Netz per Ende 2017 abgeschaltet, Sunrise folgte kurz darauf. Seither läuft die gesamte Festnetztelefonie in der Schweiz über VoIP (Voice over IP) — auch wenn die Handgeräte in vielen Praxen noch dieselben sind.
Was sich technisch geändert hat:
- Anschluss: Früher ISDN-Kupferkabel, heute SIP-Trunk über Internetleitung
- Telefonanlage: Früher hardware-basierte ISDN-PBX, heute softwarebasierte IP-PBX (Cloud oder lokal)
- Endgeräte: DECT-Schnurlostelefone und IP-Tischtelefone kommunizieren über LAN oder WLAN
Was nicht geändert hat: Rufnummern, Vorwahlen und das Telefonverhalten im Praxisalltag bleiben identisch.
Die 3 Telefonanlage-Modelle für Arztpraxen
1. Cloud-PBX (gehostete Telefonanlage)
Die Telefonanlage läuft beim Anbieter im Rechenzentrum. Die Praxis benötigt nur Internetanschluss, IP-Telefone und ggf. ein DECT-System.
Geeignet für: Einzelpraxen und kleine Gruppenpraxen mit einfachen Anforderungen.
Vorteile:
- Kein lokaler Server notwendig
- Automatische Updates und Wartung durch Anbieter
- Schnell skalierbar (neue Leitungen in Minuten)
- Tiefer Einmalaufwand
Nachteile:
- Abhängig von stabiler Internetverbindung
- Weniger Individualisierung
- Monatliche Abo-Kosten
Kosten: CHF 15–40 pro Nutzer/Monat inklusive SIP-Trunk
2. 3CX (On-Premise oder 3CX-Hosted)
3CX ist das in Schweizer Arztpraxen und Ärztezentren meistverbreitete Telefonanlagen-System. Es kann auf einem lokalen Mini-PC, einem bestehenden Server oder in der 3CX-eigenen Cloud betrieben werden.
3CX-Lizenzen 2026:
| Edition | Nutzer | Kosten/Jahr |
|---|---|---|
| Free Edition | bis 10 | kostenlos |
| SMB Edition | 10 SC | ab CHF 195 |
| Professional Edition | 8 SC+ | Preis auf Anfrage |
SC = Simultaneous Calls (gleichzeitige Gespräche). Hosting: 3CX-eigene Cloud ab CHF 4/Monat oder eigener Server.
Vorteile 3CX für Arztpraxen:
- Warteschlange und Begrüssungsansage (z. B. «Praxis Dr. Müller, bitte warten»)
- Anrufweiterleitung nach Öffnungszeiten (z. B. auf Notfallnummer)
- CTI-Integration: Anrufer-ID öffnet automatisch die Patientenakte in der Praxissoftware
- Smartphone-App für Homeoffice und Hausbesuche
- DECT-Integration (Gigaset, Yealink DECT)
- Web-Konferenz und Videoanruf inklusive
- Zertifizierte Schweizer SIP-Trunk-Anbieter: Init7, Peoplefone, net+tel, VoIP-One u. a.
3. Microsoft Teams Direct Routing
Für Praxen, die Microsoft 365 intensiv nutzen, ermöglicht Teams Direct Routing das Telefonieren direkt aus Microsoft Teams — ohne separate Telefonanlage.
Voraussetzungen:
- Microsoft 365 Business Premium oder E3/E5-Lizenz
- Microsoft Teams Phone Add-on (ca. CHF 8/User/Monat zusätzlich)
- Zertifizierter Session Border Controller (SBC) oder Operator Connect-Anbieter
- Schweizer Rufnummern via zertifizierten Carrier (z. B. Sunrise, Salt, Swisscom)
Ideal für: Gruppenpraxen und Ärztezentren, die Teams bereits für interne Kommunikation und Videokonferenzen nutzen.
Hardware: Telefone und DECT-Systeme
IP-Tischtelefone
| Modell | Einsatz | Kosten |
|---|---|---|
| Yealink T31P | Einfache Arbeitsplätze | CHF 60–80 |
| Yealink T54W | Empfang, grösseres Display | CHF 150–200 |
| Yealink T58W | Empfang mit Sidecar | CHF 200–300 |
| Polycom VVX 450 | Empfang mit vielen Leitungen | CHF 200–280 |
DECT-Systeme (Schnurlostelefone)
Für Ärzte und MPA, die sich im Praxisgebäude bewegen:
| System | Geeignet für | Kosten |
|---|---|---|
| Gigaset Pro N870 IP PRO | Multi-Cell, grössere Praxen | CHF 500–800 (Basis) |
| Yealink W60B + W56H | 1–2 Basisstationen, kleinere Praxen | CHF 150–250 |
| Snom M700 | Mittlere bis grosse Installationen | CHF 300–500 |
Zertifizierte SIP-Trunk-Anbieter Schweiz (3CX-zertifiziert)
- Init7 — Schweizer Glasfaser-Provider, sehr gute Qualität
- Peoplefone — SIP-Spezialist Schweiz
- VoIP-One — auf KMU spezialisiert
- net+tel — Westschweizer Provider, auch Deutschschweiz
- Sunrise Business — Grossanbieter mit breitem Portfolio
Fax in der Arztpraxis
Physische Faxgeräte über VoIP-Anschlüsse sind technisch problematisch — das Fax-Protokoll reagiert empfindlich auf Paketverluste. Empfohlene Alternativen:
- HIN-Fax: Verschlüsselter Faxversand über das HIN-Netz (für medizinische Dokumente empfohlen)
- Online-Fax-Dienst: Eingehende Faxe werden als PDF per E-Mail zugestellt
- T.38-Protokoll: Falls analoges Faxgerät weitergenutzt wird — benötigt kompatible ATA-Box und SIP-Trunk mit T.38-Unterstützung
Besondere Anforderungen für Arztpraxen
Notruferreichbarkeit (112/144): Die Telefonanlage muss Notrufnummern auch bei Internetausfall durchstellen können. Lösung: LTE-Backup-Anschluss als Failover-Leitung.
Gesprächsvertraulichkeit: Keine unkontrollierte Aufzeichnung von Patientengesprächen nach nDSG. Gesprächsaufzeichnung nur mit expliziter Einwilligung und sicherer Speicherung.
Ausfallsicherheit: Redundante Internetanbindung (Hauptleitung + LTE-Backup) empfohlen. Bei Cloud-PBX oder 3CX-Hosted: Smartphone-App der Ärzte als Fallback.
Warteschlange: Patienten müssen bei besetzt in eine Warteschlange geleitet werden — kein «Besetzt»-Signal. Dies ist sowohl aus Patientensicht als auch für die Erreichbarkeit der Praxis entscheidend.
Kosten Telefonanlage Arztpraxis Schweiz 2026
| Variante | Einmalig (CHF) | Monatlich (CHF) |
|---|---|---|
| Cloud-PBX (5 User) | 800–1.500 (Telefone + Setup) | 80–200 |
| 3CX Hosted (5 User) | 1.000–2.000 (Telefone + Setup) | 50–120 |
| 3CX On-Premise (5 User) | 2.500–5.000 (Server + Telefone + Setup) | 30–60 |
| Teams Direct Routing (5 User) | 800–1.500 (Setup + SBC) | 60–150 |
SIP-Trunk-Gesprächskosten kommen je nach Anbieter und Volumen hinzu — Inlandgespräche sind bei den meisten Anbietern im Flatrate-Paket enthalten, Auslandsminuten ca. CHF 0.02–0.05/Minute.
Checkliste: Telefonanlage Arztpraxis
- [ ] Bestandsaufnahme: Wie viele Leitungen, Nummern und Geräte aktuell?
- [ ] Rufnummernportierung beim bestehenden Anbieter beantragen (Vorlaufzeit 2–4 Wochen)
- [ ] Internetanbindung prüfen: Ausreichend Bandbreite? Redundanz vorhanden?
- [ ] VLAN für VoIP-Traffic einrichten (Priorisierung gegenüber Datennetz)
- [ ] Notruf-Fallback sicherstellen (LTE-Backup)
- [ ] Warteschlange und Ansagetexte konfigurieren
- [ ] DECT-Abdeckung in allen Räumen testen
- [ ] CTI-Anbindung an Praxissoftware einrichten (falls gewünscht)
- [ ] Fax-Lösung definieren (HIN-Fax, Online-Fax oder T.38)
- [ ] Mitarbeitende schulen (neue Bedienung, App, Konferenzfunktionen)
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Gründer & IT-Berater, avenios GmbH
Über 10 Jahre Erfahrung in IT-Infrastruktur und Managed Services für medizinische Einrichtungen in der Deutschschweiz.
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